Erasmus+: Ein Praktikum auf Kreta
Aus dem grauen Münster machten wir uns am 13. Juni 2026 auf den Weg nach Düsseldorf, um mit dem Flugzeug das sonnige Kreta zu erreichen. Angekommen, erwartete uns Verkehrschaos und Wärme. Spät abends kamen wir in unserer Unterkunft an und fielen erschöpft ins Bett mit Vorfreude auf die kommenden drei Wochen.
Am ersten Morgen mussten wir einige Besorgungen machen, wofür wir allerdings eine kleine Wanderung in Kauf nehmen mussten. Im griechischen Supermarkt angekommen, stellten wir fest, dass es einige Unterschiede gibt, was z.B. die Auswahl an Obst- und Gemüsesorten angeht. Anschließend machten wir uns auf den Weg für einen ersten Abstecher ins Tierheim, wo wir herzlich begrüßt wurden und das Team und die Tiere kennenlernen durften. Überrascht haben uns die 151 Hunde und der Lautstärkepegel dort. Außerdem machten wir einen ersten Spaziergang mit den Hunden Elio, Odessa, Melody und Billy, wobei Billy am Ende des Spaziergangs schlappmachte und getragen werden musste. Durch die ersten Stunden haben wir einen tollen Eindruck vom Tierheim und den Menschen dort bekommen und freuten uns auf unseren ersten richtigen Arbeitstag.
An unserem ersten Arbeitstag machten wir uns um 10:45 Uhr auf den Weg, um pünktlich um 11:00 Uhr da zu sein. In unserer ersten Schicht mussten wir ohne eine wirkliche Einführung direkt ins Geschehen eintauchen. So sollten wir zuerst zwei Hunde namens Bella und Chocolat ausführen. Dafür mussten wir zunächst passende Geschirre und Halsbänder aussuchen, welche wir den Hunden in ihrem Gehege anlegen sollten. Dies stellte sich schwieriger als erwartet heraus, da alle Hunde durch die Vorfreude auf einen möglichen Spaziergang an ihren Gehegen hochsprangen. Somit war es schwierig und etwas überfordernd, den springenden Hunden ihr Geschirr anzuziehen. Als wir dachten, dass dies gut geklappt hätte und wir uns mit den Hunden auf den Weg aus dem Shelter machten, befreite sich allerdings Bella aus ihrem Geschirr und sie war schwierig wieder einzufangen. Dieses Problem ließ sich schließlich durch ein neues Geschirr lösen und wir machten uns auf den Weg zum Spaziergang. Auf diesem mussten wir mehrere Pausen einlegen, da Bella ein sehr ängstlicher Hund ist und sich nicht auf die Straße traute. Nichtsdestotrotz machten wir einen ausgiebigen Spaziergang zum Meer und brachten die beiden danach zurück in ihr Gehege. Eine weitere typische Aufgabe war die sogenannte „Poopround“. Dabei musste man mit einem Spachtel den Kot der Hunde in einem Eimer befördern, was nicht zu unseren Lieblingsaufgaben gehörte. Die Näpfe mit Wasser aufzufüllen, hat uns hingegen mehr Spaß gemacht.
Wenige Tage später wurden wir zur Frühschicht eingeteilt. Hierbei kamen wir morgens an und machten eine erste „Poopround“. Anschließend wurde uns im Schnelldurchlauf erklärt, wie die Gehege zu putzen sind. Man musste diese zunächst mit mehreren Eimern Wasser fluten, anschließend Spülmittel auf dem Boden verteilen und schließlich in den Gehegen mit einem Schrubber putzen. Außerdem reinigte man den Napf und entfernte die Haare, die sich häufig zwischen den Gitterstäben ansammelten. Danach wiederholte man den ersten Schritt des Flutens, um das Spülmittel aus dem Gehege wegzuspülen. Nach dieser Erklärung wurde uns der Bereich „Village“ zugeteilt, welcher einer der vier Bereiche „Square“, „Pattle“, „L“ und eben „Village“ war, in die das Shelter unterteilt ist. Dort sollten wir sodann alle 15 Gehege reinigen, was für uns beim ersten Mal etwas herausfordernd war, da die Hunde beim Hineinkommen ins Gehege regelmäßig ausbrechen wollten und sowieso viel hochsprangen und großes Interesse an uns hatten. Die Hunde wurden im Anschluss gefüttert und wir brachen zu einem ersten Spaziergang auf. Nach dieser Schicht freuten wir uns nun auf unsere ersten freien Tage.
Innerhalb einer Woche hatten wir jeweils zwei freie Tage. An einem dieser Tage machten wir einen Ausflug nach Heraklion und Knossos, um uns die Ruine des Palastes von Knossos anzusehen. Danach guckten wir uns die Stadt Heraklion noch etwas an und bummelten durch die Altstadt und die Geschäfte dort. An unserem anderen freien Tag waren wir am Meer und guckten am Abend das Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft mit zwei Mädchen, die wir dort kennengelernt hatten.
Im Verlauf unserer weiteren Arbeitstage wurden uns immer mehr Aufgaben zugetraut. Beispielsweise entschieden wir selbst darüber, welche Hunde mit den Touristen spazieren gehen durften und orientierten uns dafür an einem Board, wo alle Hunde und ihre Verhaltensweisen aufgelistet waren. Außerdem agierten wir beim Putzen der Gehege zunehmend eigenständiger und übernahmen auch Aufgaben wie das Reinigen der Näpfe. Auch Gespräche auf Englisch mit den Touristen fielen uns immer leichter.
Als schließlich unser letzter Tag anbrach, verbrachten wir neben unseren gewohnten Aufgaben viel Zeit mit Hunden, die wir wirklich ins Herz geschlossen haben und verabschiedeten uns schließlich von allen. Diese zweieinhalb Wochen im Tierheim haben uns sehr geprägt und wir konnten viele Erfahrungen sammeln, die wir sonst nie gemacht hätten. Vor allem konnten wir lernen, uns selbst in schwierigen Situationen zurecht zu finden und auch neue Herausforderungen eigenständig zu bewältigen, da man im Tierheim auf diese Fähigkeiten aufgrund der fehlenden Einweisung und Erklärung durch die Verantwortlichen angewiesen war. Trotzdem konnten wir die Zeit im Tierheim genießen, da uns die Hunde ans Herz gewachsen sind, uns teilweise herausfordernde Situationen weiterbringen konnten und wir daran gewachsen sind.





